Eine Gedenktafel stiftet bis heute Verwirrung

Das ehemalige Spritzenhaus in Ahlten ist jetzt ein Wohnhaus

Es ist ein markantes Baudenkmal, das heute unter Denkmalschutz stehende ehemalige Spritzenhaus mit dem imposanten Schlauchturm auf dem Barnstorfplatz. Vor 101 Jahren ließ es vermutlich die damalige Gemeinde Ahlten errichten, da das Bisherige baufällig geworden war.

Von Lothar Rolf Luhm

Ahlten. Verwirrung stiftet jedoch eine Gedenktafel mit der Jahreszahl 1906 an einer Seitenwand des Hauses. Auf dieser wird dem Kaufmann Heinrich Backhaus für die große Unterstützung der Gemeinde Ahlten gedankt. Ob er aber mit seinem Vermögen auch zum Bau des Spritzenhauses beigetragen hat, wie die Tafel vermuten lässt, ist ungewiss. Aus einem handschriftlichen Dokument geht hervor, dass Backhaus am 28. Juni 1897 der Gemeinde 30 000 Goldmark schenkte, mit der Bitte, die Straße zum Spritzenhaus, die heute seinen Namen trägt, zu pflastern und für die Kapelle eine Turmuhr anzuschaffen. Ob von dem Geld noch etwas für das 1906 erbaute Feuerwehrhaus abgezweigt wurde, lässt sich nicht genau sagen. Einen Tag nach der testamentarisch vollzogenen Schenkung starb der Mäzen im Alter von 28 Jahren, rätselhaft, munkelt man noch heute in Ahlten.Inzwischen war das erst etwa 80 Jahre alte Gebäude trotz einer Renovierung nicht mehr zeitgemäß. Die Gemeinde ließ im Wiesengrund ein neues Feuerwehrgerätehaus errichten, das am 6. Juni 1986 eingeweiht wurde.

Für das nunmehr leerstehende Spritzenhaus hatte die Gemeinde keine Verwendung mehr, wohl aber der heute 65-jährige Handwerksmeister Wilfried Kutzner. Für 65 000 Mark erwarb er 1991 das Gerätehaus, um dort für seine Ehefrau Heidi ein Café einzurichten, was aber aus verkehrstechnischen Gründen nicht ging. Trotzdem ließ Kutzner das Gebäude stilecht restaurieren, was noch einmal fast 100 000 Mark kostete, und vermietete es. Heute gibt es im Turm eine Dreizimmerwohnung und im Erdgeschoss des Gerätehauses drei Appartements von jeweils 30 Quadratmetern Größe. Darüber hinaus ist im ehemaligen Schlauchturm auch eine gut erhaltene Arrestzelle, in der manch einer nach durchzechter Nacht seinen Rausch ausgeschlafen hat. Ortsbürgermeister Jürgen Kelich ist stolz auf das restaurierte Baudenkmal, und die Mieter fühlen sich dort auch wohl, seit die Bushaltestelle um einige Meter verlegt worden ist.