Langdielenhaus ziert erneut das Ortsbild

Ehepaar Rittentrop saniert altes Gebäude

Von Lothar Rolf Luhm

Ahlten. „Eine Schreckensnacht hat uns arm gemacht, nahm uns Habe, Muth und Kraft. Aber Gottes Treu ward uns wieder neu. Preis sey ihr, die alles schafft“. Mit schwungvollen Lettern hat Zimmermeister Johann Wilhelm Bödeker den Sinnspruch auf dem Giebelbalken des Langdielenhauses an der Straße Im Großen Freien Nr. 1 in Ahlten verewigt, das er vor 186 Jahren erbaut hat. Gleichzeitig erinnert er mit der Inschrift an das große Feuer vom 12. Juni 1822, das 52 Gebäude in Schutt und Asche legte, darunter auch das Haus Nr. 20 des Köthners Johann Kracke. Damals, vermelden alte Protokolle, war abends im Wedekindschen „Beybauernhaus“ Hof 45 ein Feuer ausgebrochen. In den Flammen starben Menschen, sieben Rinder, drei Kälber, 250 Schweine und eine Ziege. Schon bald nach dem Feuer beschlossen Johann Friedrich Christoph Kracke und Ehefrau Ilse Dorothee, Haus und Scheunen wieder aufzubauen, wobei ihnen Zimmermeister Johann Bödeker mit Rat und Tat zur Seite stand. Doch bereits Mitte des 19.Jahrhunderts trennten sich die Krackes von Haus und Hof. Wie sich jetzt herausstellte, hatte Meister Bödeker beim Wiederaufbau neben neuem Eichenholz auch angekohlte Balken verwendet: Nach dem Brand war Bauholz knapp und teuer, zumal die von der Obrigkeit versprochene Hilfe auf sich warten ließ.

1986 begannen Wilhelm (68) und Ursula (48) Rittentrop, das verwahrloste Anwesen wieder bewohnbar zu machen. Sie hatten es von einem in Hamburg wohnenden Nachfahren des Schmiedes Ernst Däwes gekauft, der das Haus 1892 aus einer Konkursmasse erworben hatte. „Es war eine Knochenarbeit,“ erinnert sich Ursula Rittentrop. Ihr Mann, ein gelernter Maurerpolier, konnte beim Aufbau des Hauses auch gut einige Jahrhunderte alte Balken verwenden, die von abgebrochenen Bauernhäusern stammten. Im vom Feuer weitgehend verschonten Speicher hatte Schmiedemeister Däwes eine Schmiede eingerichtet, heute befindet sich eine Wohnung darin. Aus der zum Wohnhaus gehörenden Scheune soll künftig eine Werkstatt werden. Inzwischen hat das Langdielenhaus ein nagelneues Innenleben erhalten und eine restaurierte Fassade: Mit ihren naturgetreu gestalteten Sprossenfenstern gereicht sie dem Ortsbild zur Zierde.

Quelle: Anzeiger für Lehrte und Sehnde vom 17.04.2008