Warnstreik beim Stromversorger

Eon-Mitarbeiter in Ahlten sehen den Verkauf des Höchstspannungsnetzes mit Sorgen

Erstmals ist es gestern zu einem Warnstreik beim Energieversorger Eon gekommen. Am Unternehmensstandort in Ahlten gingen weit mehr als die Hälfte der Mitarbeiter für drei Stunden vor die Tür. Ihnen geht es nicht nur um die aktuellen Tarifverhandlungen, sie sehen auch die Zukunft des Standorts in Ahlten mit Sorge.
Von Achim Gückel

Ahlten. Die Eon Netz GmbH am Eisenbahnlängsweg ist eine der Schaltstellen des Energieversorgers. Die 360 Mitarbeiter, die dort beschäftigt sind, steuern das konzernweite Höchstspannungsnetz auf etwa einem Drittel Deutschlands. Die Ahltener Niederlassung fungiert als Zentrale für 800 Beschäftigte an mehreren Standorten in Niedersachsen und Hessen. Unlängst hat die Konzernspitze allerdings bekannt gegeben, sich aus kartellrechtlichen Gründen vom Unternehmenszweig Netz trennen zu wollen. Mit dem Verkauf will der Energieversorger einem drohenden Bußgeldverfahren durch die EU zuvorkommen. Die Mitarbeiter von Eon Netz in Ahlten befürchten, dass durch die Ausgliederung aus der Muttergesellschaft Einbußen auf sie zukommen könnten. „Wir fordern eine Sicherheit, dass der Tarifvertrag übernommen und der Standort Ahlten gesichert wird“, sagt Betriebsratsvorsitzender Wolfgang Rudeck. Die Streikbereitschaft unter seinen Kollegen bezeichnet er als hoch. Weitere Warnstreiks will er nicht ausschließen.

Die Eon-Mitarbeiter in Ahlten seien weniger in Sorge, ihren Arbeitsplatz zu verlieren, erklärt Rudeck weiter. Vielmehr könne es dazu kommen, dass nach einem Verkauf der Netzsparte Aufgaben an andere Standorte in Deutschland verlagert und die Mitarbeiter erneut zur Mobilität gezwungen werden könnten. Er erinnert daran, dass viele Kollegen im Zuge einer Zentralisierung in Ahlten erst vor kurzer Zeit umgezogen seien.

Insgesamt gingen nach Angaben der Gewerkschaft Verdi gestern rund 2500 Eon-Beschäftigte in Niedersachsen und Bremen in den Warnstreik. Die Arbeitnehmervertretung fordert in der derzeitigen Tarifauseinandersetzung unter anderem eine Anhebung der Vergütungen um 8,5 Prozent sowie Übernahmegarantien für Auszubildende. Das seien angesichts eines florierenden Geschäfts und einer Ergebnissteigerung von 22 Prozent keine überzogenen Wünsche, argumentiert Verdi. Das Unternehmen hatte bisher Gehaltssteigerungen um fünf Prozent bei einer Erhöhung der Wochenarbeitszeit um eine Stunde angeboten. „Wir befürchten, dass dadurch Arbeitsplätze wegfallen und Auszubildende nicht übernommen werden konnten“, sagt Rudeck. Allein in Ahlten sind 30 Auszubildende beschäftigt.

Quelle: Anzeiger für Lehrte und Sehnde vom 22.05.2008